Deutsch Abitur Essay Schreiben

Dieser Essay wurde im Dezember 2014 von einem meiner Schüler geschrieben. Mir hat der Aufsatz gut gefallen. 

„Glück haben – glücklich sein“

Ein Essay zum Thema „Glück“

Ein grauer, kalter und verregneter Montagmorgen. Ein Mann im Anzug steigt in seinen Benz – Tränen in den Augen – und fährt zur Arbeit. An der Straßenecke gegenüber steigt ein Mann mit nassen Augen auf sein Fahrrad und verschwindet mühsam tretend im Verkehr. Dass Geld allein nicht glücklich macht, ist wohl überall bekannt, aber wer würde verneinen, dass es sich in einer A-Klasse leichter weinen lässt als auf einem Fahrrad? Wie werden wir glücklich? Oder vielmehr: Was ist dieses „Glück“ denn überhaupt?

Manche suchen ihr Glück in dem Sinn der Arbeit, die sie ausführen. Viele suchen ihr Glück im Geld oder im „schnellen Geld“ und wieder andere sind davon überzeugt, es nur in der Liebe zu finden. Es gibt Menschen, die jemandem nach einem schweren Unfall sagen: „Da hast du aber Glück gehabt!“, und bezeichnen es als „Glück im Unglück“. Aber wäre es nicht Glück gewesen, erst gar keinen Unfall zu bauen? Was kann man also als Glück bezeichnen?

Von dieser Frage weiß Ludwig Marcuse ein Lied zu singen. In allen Sprachen bedeutet Glück das Gleiche und doch etwas anderes. Manche verstehen darunter in der Ruhe mit sich allein zufrieden zu sein. Ein Anderer schreit im Stillen erbittert um Hilfe, da er es als Einsamkeit interpretiert. Glück kann man nicht kurz auf den Punkt bringen. Darunter versteht man eine lange Geschichte, die zusammenzufassen wir nicht in der Lage sind. Nichtsdestotrotz kann man Glück sehen an dem Lächeln eines Menschen, hören in seinen Worten und fühlen durch seine Berührungen. Und doch gilt: Es ist flüchtig wie Rauch!

Natürlich beschäftigt sich auch die Literatur damit: "Ewigkeit im Augenblick" heißt es in Max Frischs "Homo faber". Das heißt ja wohl: Wenn die Zeit wegfällt und man nicht mehr an die Vergangenheit, noch an die Zukunft denkt und nur im Hier und Jetzt lebt, dann ist man glücklich. Aber man wird es erst als Glück erkennen, wenn der Moment vorbei ist: „Glück malt man mit Punkten, Unglück mit Strichen. Und dass es Glück war, wird man erst aus der Distanz sehen.“ - so Peter Stamm in "Agnes".

Da sich Glück nur schwer beschreiben lässt, versuchen einige Menschen es im Spiel zu finden. In einem Jahr wird durch Glücksspiel ein Umsatz von 27,4 Mrd. Euro gemacht – allein in Deutschland! Das ist eine so unfassbar große Summe, dass wir sie uns nochmal auf der Zunge vergehen lassen: Siebenundzwanzig Milliarden und Vierhundert Millionen Euro! Das wirft die Frage auf: Glauben so viele Menschen, dass sie dadurch glücklich werden können? Die traurige Erkenntnis – JA! Viele Menschen kommen in eine regelrechte Spielsucht und würden ihre eigene Oma dafür geben, noch einmal am Glücksrad zu drehen, mit der Hoffnung, doch noch das große Glück zu gewinnen. Diese Hoffnung wird von den Casinobetreibern natürlich schamlos ausgenutzt. Sie packen die Gelegenheit am Schopf und machen ihren Profit.

Die Gegner davon sind sich bewusst, dass man Glück nicht als fertig verpacktes Geschenk kaufen kann. Es kann kein Glück sein, wenn das von ihnen Versprochene zu ihrem Gewinn führt. Eher genau das Gegenteil ist der Fall! Die Grundlage zum Glück ist es, erst keinen Grund zum Glücklichsein zu haben und es unter Berücksichtigung dessen, was wirklich zählt, Schritt für Schritt aufzubauen. Nicht umsonst heißt es: „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.“ Den Spruch „Jeder ist seinen eigenen Glückes Käufer“ – tja, den gibt es einfach nicht!

Dennoch geht es bei Glück nicht nur darum, dauernd glücklich zu sein. Man nehme das Beispiel der Achterbahn. Zuerst geht es steil nach oben, immer weiter, bis zu den Wolken , und es folgt eine scheinbar dauerhaft waagrechte Strecke. Man ist hoch oben, möglicherweise kurz fasziniert, aber auf die Dauer ist das zugegebenermaßen zum Sterben langweilig. Folgt jedoch auf einen kurzen Anstieg eine Linkskurve, dann eine nach rechts, kurz nach oben und dann in einer Schraube abwärts, fügt man zu dem ganzen noch einige Loopings und unterschiedliche Geschwindigkeiten, vielleicht noch eine Prise freier Fall hinzu, so hat man ein gutes Rezept für eine Achterbahn und DAS REZEPT fürs Glücklich-sein!

Auch Philosophen verstehen Glück nicht nur als eine andauernde Reihe schöner Erfahrungen. Es ist eine Ausgeglichenheit der positiven und negativen Eindrücke des Lebens. Wichtig hierbei: die sich einander abwechselnden Wiederholungen! Auf etwas Gutes muss auch etwas Schlechtes folgen um so die Spannung, die uns am Leben hält, aufrecht zu erhalten. Wenn sich die Spannung nicht von allein aufrechterhält, muss man sie selbst wieder aufziehen. Manche Menschen muss man eben zu ihrem Glück zwingen. Nur so lässt man sich vor dem, was noch bevorsteht, nicht verängstigen und kann im Leben Glück erfahren.

Aus persönlicher Erfahrung kann man sagen, dass eintöniges Glück zum Scheitern verurteilt ist. Wenn man beispielsweise mit seiner Freundin nicht streiten kann, fällt diese negative Seite weg. Jeder weiß jedoch, dass zu einer guten Beziehung jener Krach dazugehört um die positiven Dinge richtig schätzen zu lernen. Somit verhindert man, dass sich etwas Gewaltiges leise anbahnt. Nicht umsonst spricht man von „der Ruhe vor dem Sturm“.

Die Wissenschaft sieht diese Sache mit dem Glück ein wenig anders. Glück sind Hormone – Dopamin und Serotonin. Zumindest sind dies Hormone, die uns etwas fühlen lassen, was wir als Glück bezeichnen. Damit lässt sich das Phänomen erklären, dass Sportler durch Erschöpfung glücklich werden und durch den körperlichen Absturz vor Glück nur so schweben. Auch Lachen trägt dazu bei und macht zudem noch gesünder. Manche Krankenhäuser stellen sogenannte Lachtherapeuten ein – nur noch ein kleiner Schritt zum verschreibungspflichtigen Rezept für einen Zirkusbesuch. Doch es funktioniert! Durch den Verzehr von Schokolade fühlen wir uns ebenfalls wohler. Aber Achtung! Sollte dies in einer „Fressorgie“ enden, macht sich das schlechte Gewissen sofort auf den Weg seine Arbeit zu verrichten.

Obwohl sich die Formulierung „sich glücklich essen“ nicht einmal nach einer schlechte Idee anhört, versuchen viele das Glück auf eigene Faust zu suchen. Dazu drehen sie jeden Stein um und lassen keinen Grashalm neben dem anderen. Es wird ein Schlachtfeld hinterlassen, aber das Glück versteckt sich bestimmt hinter dem nächsten Baum. Menschen, die so verzweifelt dem Glück hinterherrennen, werden es nie finden. Sie sind viel zu sehr damit beschäftigt, es zu finden, als zu erkennen, dass es manchmal direkt vor ihnen liegt. Doch wer nicht danach sucht und das Leben nimmt, wie es ist, dem fliegt es von alleine zu. Manchmal müssen wir darauf vertrauen, dass auch Wunder geschehen. Denn „Wenn Gott die Welt erschaffen hat, war seine Hauptsorge sicher nicht die, sie so zu machen, dass wir sie verstehen.“ (Albert Einstein). Das Streben nach Glück ist sicherlich so alt wie die Menschheit selbst. Auch Ödipus wollte hinaus in die Welt und sein Glück suchen. Das Ende vom Lied: Er hat seine Mutter geheiratet, ein Kind mit ihr gezeugt und seinen Vater erschlagen – für meinen Geschmack hat er sein Glück wohl doch nicht gefunden.

In der US-Fernsehserie „Die Simpsons“ gibt es ein Diagramm, welches den Zusammenhang zwischen abnehmender Intelligenz und zunehmendem Glücklichsein abbildet. Schlicht und ergreifend zu erklären, da sich die "dummen" Menschen nicht darum kümmern, ob sie glücklich sind und ihnen das Schlechte im Leben nicht so viele Sorgen bereitet.


Das Paradoxon Glück! So nah und doch so fern! Was Glück für jemanden bedeutet, liegt im Auge des Betrachters. Man kann es sich (vermutlich!) nicht kaufen und muss es sich selbst aufbauen – ohne aber danach zu suchen! Sehen wir es als prächtigen Schmetterling: Wenn man das Glück erfahren will, muss es von sich aus zu einem kommen. Es wird wieder davon fliegen, aber möglicherweise (nein: mit Sicherheit!) wieder kommen. 

Versuchen wir dagegen es festzuhalten – nun, dann zerdrücken wir den Schmetterling und er verliert all seine Schönheit, Eleganz und Pracht.



Essays sind eine besondere Aufsatzart. Sie sind zwischen Erörterung und Hausarbeit angesiedelt und enthalten die Meinung des Verfassers.
Du musst als Hausaufgabe einen Essay verfassen? Mit unseren Tipps kann nichts mehr schiefgehen![toc]

Definition

Essay bedeutet übersetzt „Versuch“; er ist eine Abhandlung, in der die Auseinandersetzung mit einem wissenschaftlichen oder literarischen Thema im Vordergrund steht. Es wird eine Fragestellung in knapper, aber anspruchsvoller Form diskutiert.

Ein Essay zeichnet sich durch eine klare Struktur und einen geistreichen Inhalt aus. Die behandelten Themen sind als Denkanstöße zu verstehen.

Aufbau eines Essay

Ein Essay besteht aus Einleitung, Hauptteil und Schluss. Allerdings machst du sie nicht durch Überschriften, sondern durch Absätze kenntlich.

Auch Zwischenüberschriften lässt du weg. Wichtig ist, dass dein Inhalt eine klare Abfolge besitzt, du also den „roten Faden“ beim Schreiben nicht verlierst.

a)    Einleitung

Den Einstieg in das Thema, das du behandelst, schaffst du zum Beispiel mit einem aktuellen Ereignis. Das ist zugleich eine gute Begründung für die Wahl des Themas.

Sollte eine Lehrkraft das Thema vorgeben, ist eine logische Erläuterung „deiner“ Wahl trotzdem ein guter Aufhänger. Themen eines Essays sind Problemstellungen, strittige Fragen, Forschungsmeinungen oder empirische Probleme.

Weitere mögliche Einstiege sind eine persönliche Begebenheit, Fakten oder eine Anekdote. Wichtig hierbei ist, dass du deine Leser animierst, deinen Essay zu lesen. Nach der Begründung leitest du zur These deiner Arbeit über.

b)    Hauptteil

Der Hauptteil setzt sich aus drei bis fünf Argumenten zu der in der Einleitung aufgestellten These zusammen. Du erläuterst wichtige Aussagen und betrachtest sie aus verschiedenen Perspektiven. Du bestätigst oder widerlegst Positionen (deine eigenen und fremde) mit Begründungen und Beispielen.

Hierbei ist entscheidend, dass du die bedeutenden Aspekte nachvollziehbar herausarbeitest. Du darfst dich kritisch und subjektiv mit dem Thema auseinandersetzen, solange du deine Ansichten gut begründest.

Hier ist es ratsam, wenn du deine Gedanken zunächst notierst und beispielsweise eine Mindmap zum Thema erstellst. Dadurch gewinnst du einen Überblick für das Schreiben des Essays.

c)    Schluss

Hier solltest du nicht die Argumente deines Hauptteils wiederholen. Du kannst eine Stellungnahme zum Thema abgeben, die jedoch nicht abschließend formuliert ist. Am besten ist es, wenn du eine abwägende Betrachtung einbaust und weitere Fragestellungen zum Thema aufwirfst.

Dadurch entwickelt der Leser eigene Gedanken und Meinungen zur Thematik. Wenn er sich nach der Lektüre eingehender mit dem Gegenstand beschäftigt, hast du dein Ziel erreicht.

Weitere Tipps

  • Ein Essay ist in der Regel fünf bis zehn Seiten lang. Halte dich an diese Angabe und achte darauf, welche Vorgaben die Lehrkraft macht.
  • Im Text benötigst du keine Fußnoten, allerdings solltest du am Ende ein Literaturverzeichnis erstellen. Wenn du die Meinung eines anderen wiedergibst, machst du das im Text durch indirekte Rede kenntlich: Autor xy hat in seinen Buch „xyz“ gesagt, dass …
    Direkte Zitate haben in einem Essay eher nichts zu suchen!
  • Verwende eine gut verständliche Sprache. Du solltest nicht zu wissenschaftlich und nicht zu banal schreiben. Gute Formulierungen gepaart mit Stilmitteln (Alliteration, Metapher usw.) ergeben für den Leser eine angenehme Mischung.
  • Mach dir einen Zeitplan, damit du rechtzeitig fertig wirst und die Arbeit nach einer Pause korrigieren kannst. Zusätzlich kannst du den Essay von einer zweiten Person durchlesen lassen.

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